Familie Erde

Ohne Panik ├╝berfahren worden!

2019-04-02

Wie oft habe ich mir gew├╝nscht, es m├Âge doch einfach ein unfassbar sch├Ânes Raumschiff irgendwo in einer Hauptstadt landen und dann einen Botschafter sanft auf dem Boden absetzen, der sogleich beginnt, eine Rede in Landessprache zu halten, die uns dazu ermahnt, SOFORT mit dem Planeten besser umzugehen und IN K├ťRZESTER ZEIT alles sch├Ądliche Tun zu unterlassen, auch wenn uns das anf├Ąnglich ein wenig anstrengen mag.

Der fremde Botschafter wird darauf hinweisen, dass seine eigene Zivilisation aus den gleichen Gr├╝nden wie unsere an einem Punkt angelangt war, an dem sie sich zwischen ÔÇ×Weiter so ÔÇô in den UntergangÔÇť und ÔÇ×Harte Kurskorrektur ÔÇô das Schlimmste gerade noch vermeidenÔÇť entscheiden mussten. Dennoch w├╝rden wir ihm nicht glauben, schlie├člich lebt er ja nicht hier, und es ist doch keineswegs bewiesen, dass auch wir an einem solchen Punkt stehen.

W├╝rden wir ihm glauben, wenn er Berechnungen f├╝r unseren Planeten vorlegte, die unzweifelhaft zeigen, dass wir gerdewegs mit maximaler Beschleunigung in den Abgrund unterwegs sind? Nat├╝rlich w├╝rde er auch zeigen, dass seine Rechenmodelle komlexer sind als unsere, vielleicht mehrere Milliarden mal komplexer, und damit sehr viel n├Ąher an unserer Lebenswirklichkeit. Aber auch dass selbst bei noch so vielen Parametern ein ├Ąhnliches Ergebnis erzielt wird wie bei unseren vergleichsweise einfachen Modellen. Nein, wir w├╝rden ihm nicht glauben. Genau so, wie wir auch unseren besten Wissenschaftlern nicht glauben, deren heute vielfach feinere Modelle nur best├Ątigen, was sie seit Jahrzehnten bereits mit einfachen Berechnungen herausgefunden haben.

Wir zweifeln diese Berechnungen an, weil wir diese herrliche Komfortfunktion im Kopf haben, die es uns erm├Âglicht, auch dann noch in einer eingebildeten Traumwelt zu leben, wenn um uns herum schon l├Ąngst die H├╝tte brennt. Wir denken einfach lieber daran, dass unsere wundervolle Technik, die uns schon so viel Macht ├╝ber die Natur beschert hat, auch wieder aus der Patsche helfen wird, wenn es denn mal ganz dick kommt. Und so schlimm ist es doch auch noch nicht; die hei├čen Sommer k├Ânnten ja auch einen anderen Ursprung haben als den Klimawandel, und selbst wenn es ihn geben sollte, so haben wir ihn doch nicht verursacht und k├Ânnen ihn daher auch nicht r├╝ckg├Ąngig machen. Nein, wir haben uns angew├Âhnt, alles anzuzweifeln, das uns dazu bringen k├Ânnte, unseren verschwenderischen Lebensstil zu ├Ąndern.

So!

Ich hatte meine Hoffnung schon aufgegeben, dass das Raumschiff uns rechtzeitig erreichen wird, um uns zur Umkehr zu bewegen. Vermutlich wird es ein solches Raumschiff nie geben, weil alle potenziell zur interstellaren Raumfahrt f├Ąhigen Lebewesen ihren Heimatplaneten auf die gleiche Weise verw├╝stet haben wie wir das gerade tun und daher all ihre Anstrengungen darauf verwenden m├╝ssen, in jener H├Âlle zu ├╝berleben, die sie selbst in ihrer unermesslichen ├ťberheblichkeit angerichtet haben. Mit Raumfahrt besch├Ąftigen sich die Aliens schon seit Jahrhunderten nicht mehr.

Und dann kommt auf einmal dieses unschuldige kleine Sternenkind, gleichsam wie ein kleiner Jesus (Mohammed, Buddha, was ihr wollt) in reinlichen Windeln in die Welt, setzt sich irgendwo in Europa tagelang vor ein Parlament und erz├Ąhlt uns das alte M├Ąrchen von des Kaisers neuen Kleidern. Mit einfachen, treffenden Worten macht sie uns darauf aufmerksam, dass unsere Klimarettungsbeschl├╝sse ebenso aus Nichts gewirkt sind wie des Kaisers Kleider und daher auch nichts bewirken k├Ânnen. Das kleine Alien ist eine von uns (wie Jesus, Mohammed, Buddha, ÔÇŽ), es gibt nur einen klitzekleinen genetischen Unterschied, dessen Auswirkung wir mit einem Schildchen mit der Aufschrift ÔÇ×AspergerÔÇť gekennzeichnet haben, damit wir sie im Notfall nicht ernst nehmen m├╝ssen. Das Gegenteil ist sinnvoll: Greta (wer bis hier nicht gemerkt hat, von wem ich rede, kann eigentlich auch gar nicht ├╝ber irgendeine Suche auf diese Website gekommen sein) hat gerade wegen ihrer leichten Andersartigkeit keine Chance, sich die Welt sch├Ânzudenken. Und da sie auch nicht anders kann als das in ihren Augen Richtige zu tun, lebt sie konsequent vor, was wir alle tun k├Ânnten, wenn wir uns nicht rund um die Uhr (24 * 7) mit irgendeinem d├╝mmlichen Quatsch ablenken w├╝rden: sie setzt sich f├╝r den Erhalt unserer Lebensgrundlage ein.

Um nun zum Titel des Beitrags ├╝berzuleiten: Greta geht mit uns bei Fu├čg├Ąnger-Gr├╝n ├╝ber eine Strasse. Sie sieht wie wir, dass ein Auto mit extremer Geschwindigkeit auf uns zukommt. Anders als sie fangen wir an zu ├╝berlegen, gegen welche Vorschrift der Fahrer wohl verst├Â├čt und welches Gesetz wir mit den n├Ąchsten Wahlen oder auch erst sp├Ąter auf den Weg bringen k├Ânnten, damit solche Raserei auf freiwilliger Basis ├╝berwunden werden kann. Inzwischen ist das Auto nur noch 50 Meter entfernt. Greta ruft: ÔÇ×Werdet panisch!ÔÇť, womit sie meint, dass es nun schon viel zu sp├Ąt ist, langwierige Er├Ârterungen anzustellen. Jetzt hilft nur noch ein gewaltiger Sprung unter Aufbietung all unserer Kr├Ąfte. Als Komfort-verdorbene und haushoch ├╝berlegene Spezies vermeiden wir aber wie ├╝blich jede Anstrengung und werden g├Ąnzlich ohne Panik ├╝berfahren.

Und jetzt sag ich euch noch, was uns erwartet, sobald der Raser ├╝ber uns hinweggebrettert ist: wir kommen in den Zuckerberg-s├╝├čen Hyperkonsum-Himmel und m├╝ssen dort genau so weitermachen wie bisher. Allein das Essen ist anders: es gibt bunte Platikt├╝ten, so wie die, die man aus den M├Ągen daran verendeter Wale holt. Nur dass wir daran nicht sterben werden, denn wir sind ja schon tot. Genauer betrachtet, waren wir es schon vor dem Unfall. Wir merkten es nur nicht, denn wir f├╝hrten ja regelm├Ą├čige Wiederbelebungen durch: Smartphone, Fl├╝ge, Kreuzfahrten, Fleisch ohne Ende, fette Autos zum Aufpolieren des klitzekleinen Egos, Karriere in Bullshit-Jobs und die vielen kleinen Gadgets belebten uns, die wir zwar immer online waren, aber dabei den Connect zu unserer Mutter Erde unrettbar verloren hatten. Und weil wir ja bereits heute schon so tot sind und nahezu ausschlie├člich in der virtuellen Sch├Ânwelt leben, sehen wir gar nicht, was Greta sieht.

Bis dann der Strom ausf├Ąllt.

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